NZZ: Montag, 22. März 1999. Nr.67 Seite 34
Filmländereien
23. Schweizer Jugendfilmtage in Zürich
Komikland ist ein weites Land. Es reicht von beabsichtigt bis unfreiwillig und wechselt die Farbe nach Alter und Geschlecht. Es verspricht stilles Amüsement, feinnerviges Gelächter oder aber lauten Spott, und da und dort grenzt Komikland an Tragikland. Mit Leichtigkeit überspringt man in ihm die Grenzen der Genres - es ist das Land, aus dem die «Springenden Panter» sind.
Vier «Springende Panter» sind am Samstag zum Abschluss der 23. Schweizer Jugendfilmtage im Museum für Gestaltung vergeben worden. Es sind erste Trophäen für junge Schweizer Filmschaffende (hoffentlich) auf dem Weg zu den Leoparden und Bären. Aufgeteilt in vier Kategorien waren an den drei Tagen zuvor die 43 für den Wettbewerb nominierten Kurzfilme abgespult worden; eine Fachjury unter der Leitung von Margrit Bürer (Pro Helvetia) verhalf drei Spielfilmen und einem Animationslilm schliesslich zum Sprung: [...] In einer phantasievollen Bilderwelt ist «Schicksale, die das Leben schrieb» (CRAC) gezeichnet, eine Satire, die das schicksalsgeile Fernsehwesen in nur fünf Minuten weit bissiger auszugestalten vermag als Helmut Dietl eben in seiner abendfüllenden «Late Show». (Kategorie «Freie Produktionen 20 bis 25 Jahre»). [...]
Nicole Hess
Zürich, Museum für Gestaltung, 20. März.
Dorfziitig (Winkel): April 1999. Nr.125 Seite 34
CRAC - Von den Jugendfilmern zur Elite
Wer ist das? Sie nennen sich CRAC und bestehen darauf,
dass dieser Name französisch ausgesprochen wird. Angefangen hat
alles vor etwa fünf Jahren: Vier Schulfreunde und EdenTV Fans
(Adrian Stumm, Markus Schweizer (Bülach/Hochfelden), Stefan Egli
und Simon Schmid (Winkel) sagten sich: «Im Fernsehen läuft so
viel Ramsch; das können wir auch!»
Und schon wurde ein Projekt ausgearbeitet. Zuerst waren es kurze
Filme mit den Titeln: «Beim Friseur» oder «Im Grünen». Meist
ohne Drehbuch und Plan. Später, mit besserer Technik und mehr
Wissen ergaben sich aber durchaus anschaubare Filme, jedoch noch
immer sehr witzig und zum Teil mit absurden Ideen.
1998 wurden drei Filme gedreht: Mit «Am Airport» nahm die
CRAC-Crew am Ein-Minuten-Film-Festival teil. Der Film kam leider
nicht unter die ersten drei Plätze. CRAC war jedoch sehr stolz,
einen seiner Filme vor einem öffentlichen Publikum präsentieren
zu können. Man nahm's auf die leichte Schulter und konzentrierte
sich voll und ganz auf die 23. Schweizer Jugendfilmtage '99,
welche im Museum für Gestaltung in Zürich stattfanden.
Zum ersten Mal nahm die CRAC Jungfilmcrew an den Schweizer
Jugendfilmtagen teil. Mit «Man könnte meinen ...» und
«Schicksale, die das Leben schrieb» stieg sie ins Rennen ein.
Am Mittwoch, 17.3. '99 gewann CRAC in der Kategorie «Freie
Produktion bis 19 Jahre» mit dem Film «Man könnte meinen ...»
den Publikumspreis. Auch «Schicksale, die das Leben schrieb» in
der Kategorie «Freie Produktion, 20 bis 25 Jahre» kam ein Tag
später beim Publikum am Besten an.
Das Team traute seinen Augen, Ohren und vor allem seinen Füssen
nicht mehr, als CRAC am Samstag Nachmittag erfuhr, dass
«Schicksale, die das Leben schrieb» von der Fachjury mit dem
ersten Preis ausgezeichnet wurde.
So durfte CRAC, allen Hollywoodfilmern einen Tag voraus, den
«Springenden Panther» entgegen nehmen!
Die Jugendfilmtage 1999 werden den Jungfilmern garantiert ewig in
Erinnerung bleiben und sie zu neuen Taten und Projekten der nun
typischen CRAC-Art anspornen. Das CRAC-Team dankt allen Fans, die
es am Mittwoch und Donnerstag kräftig unterstützt haben.
Oliver Al Liebl:
Leiter Filmredaktion STAR TV in seinem Schlussbericht der
Jugendfilmtage (Auszug):
Die Jury machte es sich an
den diesjährigen Schweizer Jugendfilmtagen nicht einfach. Die
langen Diskussionen, die bis früh in den Morgen dauerten,
sprechen für die gezeigten Filme. [...] Auch das
CRAC-Team gehört zur Abteilung Hoffnung
des Schweizer Jungfilmschaffens. Die ambitionierten Jungs
bewiesen mit Man könnte meinen ..., dass die oft
zitierte Würze tatsächlich in der Kürze liegen kann - auch
wenn die Umsetzung dieses Minutenclips nicht ganz funktionierte
und daher ein Panther nicht in Frage kam. Die Idee aber gefiel.
Die Jury war hingegen vom missbrauchten Fitnessfuss
Schicksale, die das Leben schrieb vollends
begeistert, was CRAC prompt den springenden Panther
(in der Kategorie freie Produktionen 20 bis 25 Jahre) einbrachte.
Ein verdienter Preis. Diese Satire denkt auf amüsante Art und
Weise die trivialen und gesuchten Stories mancher
Lokalfernseh-Sender konsequent zu Ende.
Zürcher Unterländer: 6. April 1999. Nr.78 Seite 2
Bülach/Hochfelden/Winkel: Vier Jungfilmer
gewinnen Filmpreis
Der «Springende Panther» geht auf Tournee
Sie wirken wie ein modernes Abbild der Dumas'schen
Musketiere: Adrian Stumm aus Bülach, Markus
Schweizer aus Hochfelden, Stefan Egli und Simon Schmid aus
Winkel, zusammen 73 Jahre alt, vermitteln
das Bild einer verschworenen Gemeinschaft. Vermutlich sind sie
das ein ganzes Stück weit auch, denn sonst
hätten sie wohl kaum bei den Schweizer Jugendfilmtagen 1999 in
Zürich den 1. Preis, den «Springenden
Panther» - erhalten. Das haben sie aber, und zwar für einen nur
fünf Minuten lang dauernden Film mit dem
wenig aussagenden Titel «Schicksale, die das Leben schrieb».
Die Jury habe gefunden, das sei ein
«erfrischender Film», sagt Stumm. Und sie selber hätten
gefunden, lieber nur fünf Minuten Film «den aber
dann komprimiert und knallvoller Inhalt».
Die vier jungen Leute aus Winkel, Hochfelden und Bülach kennen
sich schon lange, sie sind seit der 2. Sek
zusammen. Dass sie sich überhaupt mit Filmen befassen, hat seine
Ursache in einer TV-Sendung. «Die war
allerdings nicht gut», erinnern sie sich. Und sie waren von der
Überzeugung, etwas Ähnliches - «natürlich
etwas Besseres» - auch realisieren zu können, nicht mehr
abzubringen. In der Folge begannen sie zu filmen.
Und damit das Ganze auch ein Stück weit professionell daherkam,
legte sich die Unterländer
Jungfilmergruppe den Namen «CRAC» zu. Das kommt aus dem
Französischen und heisst so viel wie
«Krach, Krachen, Knacks».
Im Filmunternehmen
CRAC machen alle alles. Im preisgekrönten Film «Schicksale, die
das Leben schrieb»
- es ist ein Film, in dem der Fuss eine grosse Rolle spielt -
spielen alle vier mit, sie sind auch alle an der
Realisation beteiligt. So hat Maschinenmechaniker Egli die
«Urknallidee» zum Film gehabt, die Filmidee
lieferten Schreiner Schweizer und Automechaniker Stumm. Das
Drehbuch schrieb Schweizer, für Kamera
und Schnitt war Audio-Video-Elektroniker Schmid verantwortlich.
Schweizer wiederum besorgte die
Studioaufbauten, die Computerbearbeitung übernahm wieder Schmid.
Das Quartett betont: «Bei uns schafft
jeder nach Kräften und Möglichkeiten mit. Alles muss so
günstig wie möglich sein.» Ist ja logo: Die vier
stecken noch in der Ausbildung.
In dieser Situation ist so ein Filmpreis willkommen, vor allem,
wenn damit 500 Franken Preisgeld
verbunden sind. Ob einer der Zusatzpreise - «wir haben zwei
Festivalplätze für Locarno erhalten», sagt
Schmid - genutzt werden kann, ist derzeit noch nicht klar. Der
zweite Zusatzpreis, zehn Videofilme, ist eine
willkommene Unterstützung: «Das schont unsere Portemonnaies»,
sagt Egli. Klar ist auf jeden Fall, dass die
Auszeichnung mit dem «Springenden Panther» - der jetzt bei den
vier Gewinnern auf Tournee geht und bei
jedem zu Hause aufgestellt wird - den Ehrgeiz der Unterländer
Jungfilmer angestachelt hat. Sie würden
sogar einen Filmauftrag annehmen, aber nur dann, «wenn uns das
Thema passt und zündet». Ideen für neue
eigene Produktionen sind vorhanden, es fehlt eher an der Zeit.
Auf jeden Fall wollen die Jungen an ihrer Qualität, an ihrer Art
«absurdem Theater», wie sie es nennen,
festhalten: «Unsere Filme sollen fegen.»
Das haben sie ganz offensichtlich beim Publikum an den Schweizer
Jugendfilmtagen. Der zweite Film von
CRAC mit dem Titel «Man könnte meinen ...» erhielt nämlich
den Publikumspreis. Dieser Film dauert
allerdings nur eine Minute, und bei der Frage, was denn der
Inhalt sei, brechen die vier in Gelächter aus.
Schmid löst das Rätsel, indem er erklärt: «Eigentlich haben
wir nur die Kamera ausprobiert.»
Friedel K. Husemann
Brückenbauer: 24. März 2000. Nr.13 Seite 95
Jugendfilmtage: Auf den Spuren von Spielberg und Co.
Vom 29. März bis 1. April finden in Zürich die Schweizer
Jugendfilmtage statt. Wie man ein erfolgreicher Jungfilmer wird, wissen die
Sieger des letzten Jahres.
Am Anfang waren da vier Freunde und eine Familienkamera.
Mit Wackelfilmen machten Simon, Adrian, Markus und Stefan (alle 19) aus dem
Zürcher Unterland ihre ersten Gehversuche. Seither haben sich «crac», was so
viel bedeuten soll wie «es krachen lassen», zu erfolgreichen Jungfilmern gemausert.
An den letzten Schweizer Jugendfilmtagen (SJFT) sahnten sie gleich mit zwei
Kurzfilmen ab. Mit «Man könnte meinen ...» haben die vier den Publikumspreis gewonnen.
«Schicksale, die das Leben schrieb», das die Geschichte eines missbrauchten so
genannten Fitnessfusses erzählt, holte sogar den ersten Preis, den Springenden
Panther.
Tipps der Könner: «Spass daran haben und sich nicht unterkriegen lassen», raten
die vier. Man solle versuchen, eine Idee so knallig wie möglich rüberzubringen
&endash; am besten zuerst ein Drehbuch auf Papier schreiben. «Die Geschichte
muss einfahren», dann sei es auch nicht tragisch, wenn Bild und Ton keine
Topqualität hätten. Gleich einen zweistündigen Krimi zu verfilmen bringe jedoch
nichts, wissen sie. Besser sei es, mit ganz kurzen Filmen einzusteigen.
«Crac» haben es heute einfacher: Sie verfügen über eine Mini-Digitalkamera und
schneiden auf dem eigenen Computer. Logischerweise sei dies Luxus, doch so sei
wenigstens das Konfirmationsgeld gut investiert, grinst Simon. «Mit Digitalkameras
hat man viel mehr Möglichkeiten, das ist uns extrem wichtig.» Die Kamera hat 2500
Franken und der PC mit Video-Bearbeitungskarte nochmals 2700 Franken gekostet.
Equipment und Schnittplatz können aber auch gemietet werden, wie zum Beispiel
beim Kulturbüro in Zürich, das vom Kulturprozent der Migros unterstützt wird.
Am Anfang empfiehlt es sich, einen Videokurs zu besuchen.
Sabine Matz